Auffrischung

Schreibe einen Kommentar
Projekt

Der erste Monat im neuen zu Hause ist rum, ich dusche fast öfter am Tag, als mir die Hunde ins Zimmer urinieren und meine Haare sind schon so lang, dass zwei Pippi Langstrumpf-Zöpfe drin wären. 

Ich habe mich gut in das Gastfamilienleben einleben können. Das Zusammenleben mit einer Gastmutter, -schwester, einem Gastbruder und sechs Haustieren – drei Hunden, einem Welpen, einer Katze und einem Fisch – bringt etwas an Veränderung in meinen Alltag im Vergleich zum WG-Leben vorher.

Los Stadtmusikantos santacruceños

Der Anteil an dem ich spanisch rede am Tag ist um einiges größer. Kommunikation und Absprache mit allen ist wichtig, genauso wie im Haushalt mitzuhelfen, ohne alles alleine machen zu müssen. Ich fühle mich mehr Teil der Santacruceños (Einwohner von Santa Cruz), vor allem weil ich mit ihnen wohne, im Zentrum, im Viertel Santa Cecilia. Ich bin Teil der ganzen Familie, ich fahre zum Mittagessen an einem Nachmittag fünf Minuten zu Oma und Opa der Familie, besuche die Familie vom tico-Opa in den Bergen und lerne meine Gasttanten und -onkel beim Stadt, Land, Fluss-Spielen kennen.

Ich muss sagen, dass ich durch die Arbeit im Centro Cívico und den Freizeitaktivitäten, wie dem Fitnessstudio und dem Tanzen viel außer Haus bin. Dadurch, dass die meisten Leute der Schul- und Arbeitszeiten bedingt nur nachmittags bis abends Zeit haben, verlegt sich das ganze Geschehen mit Tanzkursen und anderem Sport auf den Nachmittag und auf die dunklen Stunden.

Aus dem Innenhof des Centro Cívicos

Was die Kurse angeht, haben wir Mitte bis Ende April die Immatrikulation mit einem neuen Stundenplan geöffnet, um wieder neue Teilnehmer einzutreiben. Die Nachfrage nach Englischnachhilfe ist extrem hoch und das macht sich bemerkbar, vor allem wenn bei unseren Kursen für jedes Alter ab sechs was dabei ist. Erfahrungsgemäß wissen wir, dass immer mehr Teilnehmende mit der Zeit abspringen. Auch wenn die meisten großes Interesse zeigen, scheinen andere Termine und Aktivitäten einen größeren Stellenwert zu haben, zumal die Kurse auch gratis sind. Wenn es keine ernsthaften Gründe sind für den Abbruch gibt, ist es etwas schade und etwas unverantwortlich abzubrechen, aber als Teilnehmender ist einem wahrscheinlich nicht immer die Situation der Lehrer bewusst. Jedenfalls ist ein kleiner Neustart mit neuen Leuten, neuer Aufteilung der Leute und allgemein neuem Plan sehr erfrischend. Was etwas schade ist, ist dass die allermeisten Personen der alten Kurse nicht weiter machen. Allerdings auch irgendwie verständlich, da es eine gegebene Möglichkeit ist aufzuhören. Jetzt gilt es sich in die neuen Kurse, die wir vor einer Woche gestartet haben, einzufinden, eine gute Atmosphäre zu bilden und mit etwas Vorbereitung das beizubringen was man kann. Viele Leute sind erstaunt, dass wir so jung schon im Ausland englisch „unterrichten“. Oft erkläre ich, dass ich gerade aus der Schule raus bin und wir mit dem arbeiten, was wir an Lehrmaterial finden und die Sprachkenntnisse weitergeben, die wir haben.

Besonders gefallen mir die Kurse mit Erwachsenen, weil die am wenigsten Scham haben und am meisten Lust zeigen. Man merkt, dass sie Hundertprozent aus sich heraus zum Kurs kommen. Einige fühlen sich bestimmt aus eigenem Impuls dazu verpflichtet sich in Englisch zu verbessern, zumal es auch noch eine kostenlose Möglichkeit ist.

Bei einigen Jugendlichen und noch mehr bei den Kindern hat man eher den Eindruck, dass sie von den Eltern hergeschickt wurden. Obwohl die meisten gute Mitarbeit zeigen und – wenn es nicht wir tun – sie sich selber überzeugen können sich etwas anzustrengen. 

Auch wenn es umso pädagogischer und dadurch etwas anstrengender wird, je jünger die Schüler sind, lernt man erzieherisch einiges dazu. Wenn man zehn 5- bis 7-Jährige Kinder in einem hallenden Raum hat, die eine Aufmerksamkeitspanne von einem ein Monate alten Welpen haben und alle 10 minuten zu einem kommen, um zu sagen, dass sie eine Wunde an der Lippe haben. Dann hat man auf jeden Fall nochmal ganz andere Erfahrungen gemacht als nur Jugendliche und Erwachsene unterrichtet zu haben. Alle Unannehmlichkeiten in den Kursen sind zum Vorteil, auch wenn man sich in der Situation überhaupt nicht komfortabel fühlt. Man lernt echt einiges dazu und noch toller ist es, wenn man die SchülerInnen und Teilnehmenden Fortschritte machen sieht.

Die „neue“ Kirche im Park Bernabela Ramos

Durch die Kurse haben wir nicht nur eine Arbeit und Beschäftigung, der wir uns widmen können, sondern auch die Möglichkeit nette Leute kennenzulernen und mit ihnen etwas zu unternehmen. Sich in den Park Bernabela Ramos setzen, in einer Soda (einer der typischen costa ricanischen Restaurants) ein Casado verspeisen, an den Strand fahren, unser im Tanzunterricht Erlerntes in einem Tanzsalon einsetzen. Es gibt alleine in Guanacaste, in der Provinz in der wir leben, so viel zu sehen. Man nimmt aber gleichzeitig auch stark war, dass Reisen schon eher ein Luxusgut ist. Viele Familien hier in Santa Cruz haben sehr wenige, der auch nicht allzu weiten Orte sehen können. Wobei mit dem Auto, wenn man sich die Kosten einteilt, einiges und vor allem schneller als mit dem Bus zu erreichen ist.

Durch eine Wandergruppe, in der ein paar aus meiner Gastfamilie mitmachen und durch die gegebene Landschaft, allgemein in Costa Rica, wurde ich motiviert wandern zu gehen und die Berge Santa Cruz kennenzulernen. Mehr dazu in einem extra Eintrag, dafür einfach auf das Schlüsselwort am Rand gehen.

Der Cerro Pelado

Die Monate der Veränderung brachten auch den Regen zurück. Nach vier Monaten Trockenzeit, war man schon sehnsüchtig auf die grüne Natur, auf die grünen Blätter, Halme und Pflanzen, die die kahle Savannenlandschaft füllen. Dankbar für den Regen, der uns jedoch mittlerweile nicht nur nachmittags sondern schon morgens eine kühle und nasse Überraschung bietet. Die Aktivitäten, vor allem am Wochenende, müssen jetzt eher Nachmittags stattfinden, wenn man es sich trocken wünscht. Die Ernte der ganzen Früchte in Guanacaste, bei denen ich mich immer gefragt habe, ob es die hier im Trockenen überhaupt so viel gibt, blüte gerade dann als es durchgängig die Sonne scheinte. In Costa Rica merkt man dann erst wie viele tropische Früchte man nicht gekannt bzw. nicht probiert hat. So viele Eigengeschmäcke, Abwandlungen von anderen bekannten Früchten,

süß, sauer, bitter, weihnachtlich.

Feuerwehr bei starkem Regen im Einsatz

Hallo zusammen, freut mich, dass ihr meinen Beitrag bis zum Ende durchgelesen habt. Ich bin sehr dankbar, dass ich diese Erfahrungen machen kann, gleichzeitig auch unglaublich, dass es schon dem Ende naht. Ich finde die Idee sehr schön, euch über meinen Aufenthalt zu berichten, erneut wäre ich euch super dankbar, wenn ihr Bekannten und Familie von meinem Projekt im Jugendzentrum und des Spendensammelns erzählt und ihnen doch gerne meine Seite empfehlt. Denn ich habe noch eine paar Spenden zu sammeln und die Organisation eine Mission in Stand zu halten.

Dieser Blogeintrag wurde erneut hochgeladen, da er aus unerklärlichem Grund von der Webseite verschwunden ist.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert