
Die Ära des Wanderns begann mit der fortschreitenden Integration und dem Einleben in die Familie. Durch die enge Verbundenheit in der Familie, versprach meine Gastmutter mir einen Ausflug und lud mich zu einer Wanderung auf einen Berg ein, den ich dann mit einer Wandergruppe bestieg. Den Abend bzw. die Nacht davor ging es in ein Tanzsalon, um die Hüfte ein bisschen schwingen zu lassen. Da für die Tour um drei aufstanden werden musste, hatte ich im Endeffekt noch ein gutes Stündchen Schlaf, was sich vor, während und vor allem gegen Ende der Wanderung bemerkbar machte. Auf dem Hinweg war ich ziemlich motiviert und fand die einzigartige Nebellandschaft im Einklang mit der Natur unglaublich beeindruckend.


Dadurch, dass die Temperatur in den frühen Stunden mitspielte und die Temperatur auch bei Aufgehen der Sonne klar ging, war der Aufstieg noch erträglich.


Es war allgemein viel länger als ich dachte aber der Gedanke brachte nicht viel. Ich lies mich mit der Gruppe mitreisen, manchmal gab es Schübe, die mich vorantrieben. Oben angekommen, hatte ich das erste mal so eine spektakuläre Vogelperspektive von der Landschaft Guanacastes.

Mit einer Stunde Schlaf und 3 Stunden Aufstieg, war trotz der Erleichterung und des Staunens, die Nacht in den Beinen, im ganzen Körper, physisch und mental zu spüren. Der Rückweg war dann nämlich ein ziemlicher Krampf. Die Temperatur stieg allmählich, ich schwitzte zunehmend und wurde von Mücken übernommen, wenn ich einmal stehen blieb. Mich umschlug mit einem Schlag die Müdigkeit, sodass mir während des Wanderns die Augen zu fielen und ich schlafwandelnd weiter watschelte. Dadurch, dass wir genau den Weg zurück nahmen, wie wir hinliefen, war der Rückweg noch ein bisschen quälender. Total fertig und unglaublich erleichtert kam ich unten mit den anderen um neun Uhr morgens an und konnte den restlichen Tag auf irgendeine Weise noch auf bleiben. Ein dickes Pinto, das Nationalfrühstück, war notwendig als wir zurück kamen.
Um die Ära regelrecht weiter zu führen, ging es das nächste Wochenende auf den Cerro el Cacao, ein nahegelegener Hügel mit sehr schöner Aussicht auf das ganze Tal, Santa Cruz und die umliegenden Berge. Die Landschaft ist interessant, es hat auf eine Weise kleine Gemeinsamkeiten mit der aus Mitteldeutschland. Jedoch sieht man nicht nur ins Tal auf die weiten Weiden und Wälder, sondern auch auf die kleinen mit Wellblech bedeckten Hütten und die dann doch ziemlich andere Vegetation. Die Blätter und Bäume, die häufig Lücken lassen und dann auf den Hügeln ein kahler Platz ist, von den man dann auch schon ziemlich weit gucken kann. Es gibt einige Hügel verschiedener Höhen, doch man kommt schon am Beispiel diesen Hügels gut auf die Spitze, um sich mit einer echt schönen Sicht zu belohnen.
Der dritte und vierte Streich folgte dann schon am nächsten Wochenende.
Am darauffolgenden Samstag führte es uns zu den Höhlen von Barra Honda, einem Nationalpark bei der Stadt Nicoya, 20 Minuten von Santa Cruz. Barra Honda sei ein Nationalpark mit über 40 unterirdischen Höhlen, 19 davon seien entdeckt und bloß drei für den Tourismus zur Verfügung gestellt worden, sagte unsere Führerin.
Einiges zu spät zum Eingang des Nationalparkes angekommen, sind wir die vier Kilometer in wirklich schnellem Tempo zur Höhle gewandert, während die zum Glück nur zwei anderen Tourteilnehmer schon fast da waren. Erschöpft und vollgeschwitzt sind wir am Eingang der 17 Meter tiefen Höhle nach schon sage und schreibe einer Stunde angekommen. Mit einer Leiter ging es ins Unterirdische, wo sich seit tausenden und millionen von Jahren Steinformationen und Figuren bilden. Das wirkt dann auf einen schon ziemlich magisch.
Wenn man sich die anderen duzenden Höhlen vorstellt, die es in dem Park gibt, von den manche mehr als hundert Meter in die Tiefe gehen. Erstaunlich.
Erstaunlich ist auch wie aktionsreich man ein Wochenende machen kann. Da standen wir am nächsten Tag um zwei Uhr morgens auch schon auf den Beinen, um eine Wanderung auf den Cerro Pelado zum machen. Ein ehemals aktiver Vulkan, der heutzutage als beliebtes Wanderziel Costa Ricas gilt.

Geplant den Sonneraufgang von oben zu sehen, kamen wir mit der Wandergruppe erst um 5 Uhr im Tal an, als es dann schon morgendämmerte. Jedenfalls hat es sich spätestens nach der Ansicht der Natur bei 2/3 der Strecke gelohnt. Die Strecke war übrigens nicht der offizielle, sondern eine von unserem Guía beim Wandern mit der Machete durch den Wald durchgeschlagene. Was die Wanderung noch etwas besonders machte, weil man vor allem über keine Touris stolpert. Als wir aus dem Wald kamen, war es total mit Nebel bedeckt, der dann nach kurzer Zeit in wenigen Minuten wegzog.



Die letzten zweihundert Meter konnte man das wunderschöne hügelartige grüne Umfeld genießen und hatte nach den letzten Metern Klettern eine echt spektakuläre Aussicht auf die Umliegenden Berge und Täler.


Was dann genau zwei Monate passierte, hatten wir im Kopf, haben uns aber durch Gerüchte, dass es schwer sein sollte Tickets zu bekommen, nicht darum gekümmert. Bis wir dann aber einfach mal nachgeschaut haben und siehe da, es gibt einige freie Tage für unsere vierer Gruppe. Gefunden, gebucht und schon standen wir nach Verabschiedung meines Hometowns Santa Cruz – in meiner vorvorletzten Woche in Costa Rica – vor der 0 Kilometersäule im Tal auf einer Höhe von 1520 Kilometer.
Was wir vor hatten, war nämlich der Aufstieg auf den höchsten Berg Costa Ricas, der Cerro Chirripó mit einer Höhe von 3820 Metern. Ein beliebtes Wanderziel bei Costa Ricanern oder Touristen mit Bock auf Action.
Ich hab mir als mir davon erzählt wurde und ich gefragt wurde, ob ich da Lust drauf hätte gar nicht so viel Gedanken gemacht. Generell habe ich immer Lust auf einzigartige Erfahrungen und Attraktionen, auch dieser Art. Zumal es nicht eine typisch touristische Aktion ist, an die man denkt wenn man über Costa Rica redet. Aber eine Erfahrung, die ich gemacht haben will, das ist vor allem was mich antreibt. Jedes mal, wenn wir von unserem Vorhaben erzählt haben, hat uns jeder noch ein siebtes mal erzählt, dass wir uns gut vorbereiten sollten. Hätten wir vielleicht auch. Obwohl mir von Opa in letzter Sekunde die perfekte trennbare Wanderhose und die perfekten Wanderschuhe hinterher geworfen wurden. Bis zum Vorabend hatte ich weder eine super schwierige Wanderung vor Augen, noch ein mulmiges Gefühl. Mit Pulli und löchrigen Joggingschuhen meiner Kollegen ging es dann hoch.
Im Morgengesicht, motiviert, gespannt, aber auch etwas in Gedanken bei der bevorstehenden 14 Kilometer-Strecke, wurde der erste Schritt aus dem Hostel gemacht. Kurze Zeit später morgens um 6 irgendwas fingen wir beim nullten Kilometer auf dem Wanderweg an.

Jeder Kilometer hatte so seinen eigenen Anstrengungsgrad und da der Kopf immer mit spielt, kam einem die Strecke unterschiedlich schwer vor. So kam es zum Beispiel, dass die ersten und letzten beiden Kilometer ziemlich schwer waren, während einige Kilometer kurz vor der Hälfte ziemlich gut gingen.
Was einem half, vielleicht aber auch Kirre machte war, dass jeder Kilometer mit einer kleinen Steinsäule markiert ist. So wartete man immer bis der nächste kam, ich kann euch erzählen, dass uns das vor allem beim Rückweg verrückt gemacht hat und die letzten Kilometer doppelt so lang vorkamen.




Es ging an Bäumen, Pflanzen, Aussichtspunkten, einer Zwischenbase, einer Goffrey-Affen Großfamilie und einigen Pferden vorbei, die mit ihren Begleitern das Essen und Gepäck mancher Wanderer hoch und runter transportieren (was ich bei dem Steilungsgrad und dem Steinweg erstaunlich finde).

Es gab bis zur Basis einen wesentlichen Vegetationswechsel, der nach ungefähr 3000 Höhenmetern statt fand und den tropischen Nebelwald hinter sich ließ. Da fand man keinen dichten Wald mehr vor, sondern eher nur weniger Bäume und viele grün-graue Pflanzen und Sträucher. Zudem auch immer wieder echt schöne Blüten. Was ebenfalls der Fall war, dass man viele tote, vor längerem abgebrannte Pflanzen sah. Anscheinend soll es leider Brandstifter gegeben haben, die die Landschaft auf dem Berg zum brennen gebracht haben müssen.




Nach acht Stunden sehr erschöpft auf der Basis angekommen, wurden den Abend und die Nacht bis um halb drei morgens Kräfte gesammelt, um den letzten fünf Kilometer Marsch bis zur 3820 Meter hohen Spitze zu machen. Auch die letzten Meter, die dann auch noch gekrakselt werden mussten waren wieder besonders Kräfte zerrend.

Du bist die letzten Tage um 3 Uhr aufgestanden und hast einen bisschen verbrannten Hafermatsch, eine Bolognese und fünf übersüße Getreideriegel – die du besonders spürst – im Magen. Du drückst dich während des Sonnenaufganges energielos, nach erneuten guten zwei Stunden Wanderung diese letzten Felsen hoch und bist einfach erleichtert und irgendwie auch stolz. Es hat sich sowas von gelohnt, diese Höhe, die man noch nie gespürt hat, lässt einen so weit über die umliegenden Berge und auf mit Wolken bedeckten Täler schauen. Man beobachtet, wie alles allmählich durch die Sonne beleuchtet wird. Besonders geflasht hat mich die Landschaft auf den Bergen auf diesen Höhen. Die kahle Landschaft mit den kleinen Sträuchern, Seen und atemberaubenden Felsenstrukturen.




Auf dem Rückweg zur Basis wurden zwischendurch nochmal ordentlich die warmen Sonnenstrahlen und die transplanetarische Natur eingeatmet.

Nach einem energiegebenem Frühstück und etwas Sammlung, wurde der Rückweg von der Basis ins Tal eingelegt. Wir erwarteten eine etwas schnellere Reise, die wir auch bekamen, zumindest die ersten vier Kilometer. Einen Stopp in der Zwischenbasis, um sich eine Käsetortilla reinzudrücken, danach zog es sich ordentlich, von den letzten beiden Kilometern gar nicht zu sprechen. Aber am Ende nach sechs Stunden Kniezerstörung, war es ein bloßes: Yes, geschafft, wow!