Costa Rica grenzt, so wie fast alle nordamerikanische Länder, an zwei verschiedene Meere. Durch die Dünne des Landes ist es auch durchaus möglich mit nicht allzu langer Fahrt und im Verhältnis kleinen Geld mal die Seite zu wechseln und vom Pazifik an die Karibik zu reisen. Bevor das ganz Ende des Jahres passiert ist, bin ich mit zwei anderen Freiwilligen mal in den Norden der guanacastecischen Pazifikküste, um da ein paar Tage in Coco zu verbringen. Die Strände direkt vor Ort sind eher von Fischern belegt. Aber wenn man mal nördlicher guckt und über die trockenen Hügel springt findet man echt schöne und abgelegene Buchten. Der Pazifik ist allgemein eher trocken und wirkt kahler, fast etwas südeuropäisches. Es wurde viel gekocht, gegessen, Musik gehört und gebadet.


Noch vor diesen wunderbaren Tagen habe ich mit meinem WG-Mitbewohner geplant bei Liberia, der Hauptstadt unserer Provinz, einen der vielen Wasserfällen zu besuchen. Ich, vollgepackt mit den Sachen für die nächsten drei Wochen, und er sind mit dem Bus an die vom Wasserfall nächstgelegene Stelle gefahren. Wir beide sind davon ausgegangen, dass wir zu Fuß und zur Not mit einem geliehenen Auto oder Taxi dahin kommen. Was wir nicht wussten, vielleicht ein bisschen geahnt haben war, dass der Weg bis zum Wasserfall Privatgrundstück ist. Wir klopfen am Eingangstor, keiner der Arbeiter reagiert. Bis einer sagt, dass wir einfach durch gehen sollen, der Chef sei gerade sowieso nicht da. Wir gehen also, stellen uns wegen Schauern zwischendurch unter einen Baum und gehen irgendwann an einem Haus vorbei. Plötzlich werden wir von einem Mann auf einem Quad gestoppt. Er lebt mit der Familie seiner Frau in einem Haus auf dem Grundstück und kümmert sich mit seinem Schwager um alles. Denn deren Chefs sind Amerikaner, denen das Grundstück gehört. Der Mann sagte also, dass wir nicht durch dürften, wegen des Grundstückes und der Weg zum Wasserfall noch nicht präpariert und der Zugang von Fremden noch nicht vorgesehen ist. Nachdem wir etwas geredet hatten und wir gesagt hatten, dass es ein langer anstrengender Weg bis dorthin gewesen wäre und unser Ziel nicht mehr weit weg sei, haben wir nochmal mit seinem Schwager geredet, der uns nochmal genau gesagt hat warum es nicht geht. In der kurzen Zeit hat er immer mehr Vertrauen mit uns aufgebaut, dass er hat uns sogar etwas Leid getan. Mir war es sogar schon etwas unangenehm, bis er dann auch noch sagte das sie uns durchlassen. Und plötzlich hat sich das ganze Blatt gewendet und er meinte, dass sein Schwiegersohn uns mit seinem Quad zum Fluss fährt, wir meine Rucksäcke bei ihm zu Hause lassen können und er uns am Ende zur Straße zurück fährt. Also sind wir mit ihm, der den Wasserfall in seinen letzten vier Jahren, die er in dem Haus lebt noch nie gesehen hat, eine Viertelstunde zum Fluss gebrettert. Er war total lieb und gastfreundlich, hat uns Wasser und Orangen gegeben, sein Haus gezeigt und am Ende in der Dämmerung mit seiner Tochter an der Straße gewartet bis wir in unseren Bus gestiegen sind.
Das ist der Schwiegersohn Kenner links neben Robin im roten Outfit:


Nach den Tagen in Coco ging es mit meinem wandelnden zweiten zu Hause, dem Bus, quer durch Costa Rica nach Turrialba, in eine ganz andere Vegetationszone. Eine Stadt in der Provinz Cartago, östlich der Hauptstadt, die durch das regnerisch-feuchte und mildere Klima geprägt wird. Dort gab es ein kleines Weihnachtsfest des gemeinnützigen Vereins Club Leo. Einige Freiwillige, die in Turrialba bei Ankunft in Costa Rica einen Sprachkurs hatten, sind die Weihnachtstage dort bei ihren Gastfamilien geblieben. Ich bin zu meinen Großeltern, nach San Jose. San José ist an sich nicht wirklich spannend, viel Gewerbe und Läden, wo meine Großeltern wohnen. Aber zusammen zu Hause Zeit zu verbringen und zu essen, irgendwo hinzufahren oder Sport zu machen ist doch was schönes.
Interessant ist auch wenn man mal Richtung Stadt Cartago und weiter hoch auf den Vulkan „Irazú“ fährt. Eine engere kurvige Haupttraße, die mit konstanter Steigung Richtung Gipfel läuft. Man lässt kleine, trübelige Dörfer, Kartoffelfelder und Aussichtsplattformen hinter sich. Die Temperatur sinkt allmählich, es sind einige Leute unterwegs, gucken sich Cartago von oben an und picknicken am Straßenrand. Es kommt Nebel auf und zieht sich immer mehr zusammen. Ab und zu sind an Kurven Erdbeerstände, urige Restaurants und Stände mit Ziegenmilchprodukten zu sehen. Ab einer gewissen Höhe zieht es sich so sehr zusammen, dass nicht mehr als 15 Meter weit zu sehen ist. Oben auf 3400 Meter Höhe angekommen, sind es um die acht Grad. Auf dem Parkplatz wirkt es echt nebelig, Leute stehen mit heißem Kakao in den Händen und Schal neben ihrem Auto. Zum Krater hin wird es immer nebeliger, bis wir wirklich im Nebel stehen und diese Kulisse aus dem schwarzen Vulkansand und der nebeligen Sicht magisch wirkt. Auch wenn wir den türkisen Kratersee offensichtlich nicht sehen konnten, gefiel mir der Ort sehr, wie er war.



Drei Tage vor der Silvesternacht ging es an die Karibik nach Puerto Viejo de Talamanca. Mit das beliebteste Dorf der Karibik, das im Süden, fast an der Grenze zu Panama liegt. Wir als Freiwillige hatten vor die Zeit alle zusammen in einem gemieteten Apartment, drei Kilometer weiter südlich an der Playa Punta Uva, zu bleiben. Da sich aber herausstellte, dass wir nicht alle Platz haben, habe ich mit anderen fünf Freiwilligen eine „cabina“ in Puerto Viejo gemietet.
Die Karibik als Meer eher weniger aber vor allem als Ort mit den Menschen, dem Essen, dem Tourismus und der Natur scheint nochmal ganz anders als der Pazifikraum zu sein. Um es mit Adjektiven zu beschreiben wirkt die Karibik auf eine Art einheimischer, wilder und einfacher. Das feuchtere Wetter auch in der Trockenzeit, sorgt für mehr Grün, Wald, dichteren Wald. Zwischen dem Grün sind, vor allem an der Straße gut zu beobachten, lauter kleine bunte, hippieartige Bungalows zu sehen. Was aber gleichzeitig nicht immer heißt, dass weniger Touristen zu sehen sind, im Gegenteil. Die meisten Strände, Nationalpärke und vor allem Partyorte waren oft gefüllt mit Europäern. Die Gegend hat eher einen Backpacker-Vibe. Durch den Afroamerikanischen und Jamaikanischen Einfluss hat die Karibik einen anderen kulturellen Stich als die meisten pazifischen Orte, die sich vielerorts vor allem mit ihrem fetten Hotel-Tourismus, den US-Amerikanern und Canadiern abgrenzen.


Von Puerto Limón, der Hauptstadt der gleichnamigen Provinz, führt eine Hauptstraße die Küste entlang, so auch durch Puerto Viejo bis nach Manzanillo ganz im Südosten des Landes. Die Straße führt einen quasi zu den ganzen nebenan liegenden Stränden. Ab Puerto Viejo sind wir mit geliehenen Fahrrädern die Straße bis zum Ende nach Manzanillo gefahren, haben uns durch den Nationalpark geschlagen und ein paar Strände und Tierchen gesehen.
Vorm Heimweg ging es noch für ein paar Minuten auf ein Bananenboot, diese Touri-Attraktion, bei der man sich auf dem Wasser zu fünft auf eine aufblasbare Wurst setzt und per Seil von einem Motorboot gezogen wirst, das versucht dich so schnell wie möglich da runter zu kriegen. Wir waren die besten des Tages. Mit Musik sollte es dann wieder die hügeligen 13 Kilometer durch die wunderschönen Wälder zurück.
Eine lange „Alte Nacht“ („Noche Vieja“ = Silvesternacht) und ein paar Minütchen Schlaf später, ging es in den anderen Nationalpark Cahuita nördlich von Puerto Viejo. Ein auch sehr schöner Nationalpark mit eher engerem Weg und mehr kreuzenden Tieren, wie z.B. Kapuzineraffen, die Besuchern die Snacks aus der Hand klauen.




Erstaunlich ist bei Nationalparks an Küsten, wie viel marine Fläche das Schutzgebiet eigentlich einnimmt. So hat der “Parque Nacional Cahuita“ 1 102 Hektar Landfläche, hingegen ganze 23 290 Hektar marine Fläche, um vor allem die Küstennahen Korallenriffe und ihr ganzes Ökosystem zu schützen. Durch ihre Struktur und Vielfalt gelten die Riffe in Cahuita als die meist entwickeltsten der costa-ricanischen Karibik.
Hier noch weitere Beweisbilder:



