Wie schon im einem der letzten Blogs beschrieben, wohnen wir knapp 2 km eine Schnellstraße vom Zentrum des Dorfes Santa Cruz. Mit dem Fahrrad sind wir also mit lockerem Tempo in 8-10 Minuten im Projekt. Bei unserem Lieblings-Supermarkt in weiteren 5 Minuten. Abgesehen von der befahrenden Straße, geht das also klar. Blöd ist es, wenn eins oder zwei der drei Fahrräder platt sind, was immer wieder mal der Fall ist. Dann gilt es die halbe Stunde in der Prallen Hitze zu gehen.

Was uns an den Cabinas in Arado gefällt, ist der große, gemeinschaftliche Außenbereich mit überdachtem Tisch, den Kokosnuss-spendenden Palmen und die vor kurzem aufgehängte Hängematte. Außerdem haben wir neben einer eher beschwerenden Nachbarin, ein Nachbarspaar, das sehr nett und herzlich ist. Mit ihnen wird sich oft unterhalten, Sachen ausgeliehen, getauscht und geholfen. Zusammen gegessen, gegrillt, einkaufen und zum Strand gefahren sind wir mit ihnen auch schon. Irgendwie ist es auch lustig neben einem kleinen Stadion zu wohnen. Ab und zu finden Fußballspiele statt. Ziemlich früh haben wir den „jefe“ einer Mannschaft kennengelernt. Ein korpulenter, eigentlich herzlicher und lustiger Charakter, der aber die stereotypische konservativ-männlichgeprägte Gesellschaft Costa Ricas zu sehr repräsentiert. Das war der derart erste Kontakt und so direkt auch einziger Kontakt mit der Machogesellschaft in Costa Rica. Mit jemanden, der noch in den veralteten Geschlechterrollen steckt. Wir werden begrüßt und eingeladen dort Fußball zu spielen, unsere ehemalige Mitbewohnerin wurde nicht mal vorgestellt. Die Männer spielen Fußball und stehen grillend mit einem Bier in der Hand und in der anderen Ecke des kleinen Fusballstadions sitzen die Frauen in einem Sitzkreis mit den Kindern auf dem Schoß.

Auf der anderen Seite neben uns befindet sich eine dicke Bar, die sogenannte Cachos Sports Bar. Ein ziemlich großer Laden, mit zwei Theken, Leinwand und Bildschirmen, Karaokeabenden, Platz für kleine Bands und allgemein jede Menge Musik. Jede Menge Musik, aber alles andere als abwechslungsreich. Im Gegenteil, man hört von 12 Uhr mittags – im Fall, dass man zu Hause ist – anfangs bis 22, mittlerweile bis 2 Uhr morgens die selben drei Playlists. Auch unter der Woche. Oft hat man auch einfach zwei Musikquellen oder Stimmen gleichzeitig, die vom Stadion und von der Bar, von beiden Seiten auf uns zu grölen. Gemischt ist am besten. Klingt dann gleich wie eine experimentelle Band, etwas außergewöhnlich. Auf Dauer aber ziemlich nervig.

Die abgelegene Lage hat uns ebenfalls gezwungen mit dem Weg über die Schnellstraße klar zu kommen und das sind wir auch, selbst ohne Fahrrad. Diese wurden uns, bis auf eins, alle samt Schloss am Busbahnhof gestohlen. Manchmal werden wir auch zufällig bei den stechenden 36 Grad in der Mittagshitze aus Mitleid und Freundlichkeit von einem der Mitarbeiter unseres Bürgerzentrums mitgenommen.
Was unsere Wohnsituation angeht, werden sich unsere nächsten fünf Monate in Costa Rica ab dem dritten März-Wochenende ziemlich ändern. Wir drei ziehen nämlich jeweils in eine Gastfamilie im Zentrum Santa Cruz. Mehr Nähe zum Ort, mehr Unterhaltungen auf spanisch und eine ganz andere Lebensweise für die zweite Halbzeit in Costa Rica. Das wird in vieler Hinsicht noch mal eine besondere Erfahrung.