Sprachkurse im CCPSC

Schreibe einen Kommentar
Projekt

Centro Cívico por la Paz de Santa Cruz

Wir sitzen im Büro, bereiten unsere ersten Stunden für den Deutsch- und Englischkurs vor und sehen wie immer wieder Leute eintreten. Leute, die zur Anmeldung unserer Kurse kommen und dankbar sind, dass eine einen Ort gibt, an dem Sprachen angeboten werden. Vor allem etwas positiv überrascht hat mich, dass ziemlich viele zur Anmeldung unserer Deutschkurse gekommen sind. Vor allem, wenn doch die Möglichkeit besteht, Nachhilfe in einer Sprache nehmen, die offensichtlich universell gebraucht wird. Eine Schülerin meinte, „warum nicht eine neue Sprache lernen? Vor allem gerade wenn der Untericht auch noch kostenlos in Santa Cruz angeboten wird, das wird es nicht so oft geben“.

Dann standen wir da zu zweit, vor dem ersten Kurs für Kinder und Jugendliche mit 16/17 Schüler*innen. Ein etwas chaotischer erster Kurs, in dem wir die Schüler*innen und ihr Können erstmal kennenlernen mussten, mit Struktur aber irgendwie auch irgendwie nicht. Die Tage zuvor haben wir in den Tiefen des Internets nach Lehrmaterial für Englisch- und Deutschunterricht gesucht und versucht eine Struktur für Anfängerkurse zu entwickeln. Es ist allgemein ganz lustig mal die Rolle mit Lehrern zu wechseln und zu erleben wie es ist, eine Klasse zu unterrichten. Man sieht dann mal wirklich wie anstrengend es sein kann. Unverständnis durch die Akustik des Raumes oder durch leises Reden, Ungehorsamkeit durch das Handy oder einfach durch Desinteresse. Man merkt, dass die Erwachsenen generell etwas mehr Interesse aus sich heraus zeigen und offensichtlich aus ihrer Entscheidung diesen Kurs besuchen. Obwohl es auch verständlich ist, dass so ein Sprachkurs nach einem ganzen Schultag anstrengend oder ermüdend sein kann. Und man zumal man auch sagen muss, die Kinder haben definitiv schon auch Lust deutsch zu lernen. Etwas Durchsetzungsfähigkeit und ein gesundes Maß an Selbstbewusstsein sind beim Unterrichten ganz gut, sodass jede/r mitkommt und man trotzdem die Klasse unter Kontrolle hat.

Anfangs haben wir uns noch den Lehrplan selbst zusammengereimt und die zugehörigen Materialien jeweils einzeln aus dem Internet gepickt. Mittlerweile hat es sich schon so einbalanciert, dass wir mittels eines online-Lehrbuches die Stunden geben und strukturieren. Spätestens nach der ersten Stunde mit diesen Vorlagen haben wir gemerkt, dass diese einen das Lehren sehr erleichtert. Neben Lehrmaterial kann Kreativität nicht schaden, um den Unterricht zu gestalten, unterhaltsamer und spannender zu machen.

Durch den festen Zeitplan der Unterrichtsstunden – d.h. jeweils zwei Tage die Woche Englisch und Deutsch, morgens für Erwachsene bis 25 Jahre und nachmittags für Kinder und Jugendliche – hat sich auch etwas wie eine Routine eingelebt. Mittags wird das mitgebrachte Essen gemampft und mit den neulich eingerichteten Tischtennisplatten und Kicker gespielt. Gemeinschaftsspiele wie diese sind immer eine gute Idee und scheinen auch den Kontakt zwischen den Besuchern zu lockern. Zwischen den Schüler*innen und uns, tut er das auch nach und nach.

Einer meiner beiden Mitbewohner ist, wegen zu langer Anfahrt und schlecht umgesetztem Arbeitsplan, von seinem Projekt zu uns in das Centro Cívico gewechselt. Sein Tatendrang wird jedoch noch nicht befriedigt, weil Veränderungen in den Kursen und das Anbieten neuer, sich jetzt in der kurzen Zeit bis Weihnachten scheinbar nicht mehr lohnen würde. Weihnachten ist hier sehr traditions- und vor allem dekorationsreich und Ihnen ist eine lange Winter bzw. hier Sommerpause in der Hochsaison und Trockenzeit sehr wichtig, um mit Freunden und Familie Zeit zu verbringen. Für uns beide, die vorerst nur die Sprachkurse geben, heißt das auch dass wir noch warten müssen. Warten müssen neue Kurse anbieten zu können. Geplant haben wir nämlich, die Uhrzeiten der Sprachkurse zu ändern und vielleicht andere Altersgruppen zu integrieren. Zudem nehmen wir andere Aktivitäten, wie Skateboarden, Fußball, Tischtennis oder sogar handwerkliche Kurse in Betracht. Bock hätten wir auch mal in der Vorschule im Centro Cívico oder in einer anderen Schule, die mit der unserer Einrichtung kooperiert, auszuhelfen. In einer Aufräumaktion, in einem gestellten Arbeitsplan oder gegebenen Aufgaben würde ich mich mit unter zur Abwechslung sehen.

Es ist sehr interessant, dass es einem im Lernprozess einer neuen Sprache schwer fällt etwas auszusprechen. Auch wenn es stark daran liegt, ob jemand wirklich versucht diese Barriere zu überschreiten und offen ist Fehler zu machen, ist es für die meisten bei vielen Wörtern und Sätzen im Deutschen eine große Überwindung diese auszusprechen. Es handelt sich ja um eine ganze andere Melodie, anderen Aufbau etc. Oft verliert man als Lernende/r auch logische Zusammenhänge zwischen deutsch/englisch und spanisch, wenn ihnen etwas ausführlich erklärt wird. Wobei man es als lehrende Person nicht ganz versteht, was nicht verstanden wird und man es mit drei verschiedenen Ansätzen versuchen muss zu erklären. Dabei ist Nachsichtigkeit und Geduld besonders gefragt. Ob sehr selbstbewusste, fast arrogante oder sehr schüchterne Teilnehmende, es ist manchmal schwer mit zwölf pubertierenden Jugendlichen bei sich zu bleiben. Mit Sicherheit hilft manchen aber das Teilnehmen an einem Sprachkurs auch das Selbstbewusstsein zu verbessern.

Etwas komisch ist manchmal, dass ich Gleichaltrige bis ältere Leute als ich unterrichte. Da ja im Unterricht oder in der Nachhilfe die lehrende Person meistens ein gewisse Autorität hat, weil die Person in dem Fachgebiet offensichtlich mehr weiß, ist es oft schwierig auf gleicher Augenhöhe zu sein. Nichtsdestotrotz denke ich, dass das allgemein ganz gut funktioniert und sich alle wohl fühlen. Der Englischkurs für Erwachsene, ein Kurs in dem mittlerweile z.B. nur zwei Leute kommen, scheint mit uns schon etwas lockerer.

Es ist schon echt gut, dass wir regelmäßig kommende Leute haben, die zu unseren Kursen kommen, von denen sie aber auch wir so viel mitnehmen. Wir haben halt einfach unsere Aufgaben in dem Projekt in der Hand.

großer brauner Vierbeiner mit Hörnern hinter unserem Gemeinschaftsgarten

Über Kontakte, wie wir uns hier im Nordwesten Costa Ricas eingelebt und integriert haben und wie das unseren Erwartungen entspricht, schnacke ich im nächsten Blogeintrag ein bisschen … see u there:)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert